Ein Pr. Oldendorfer in der 3. Liga

  • 24. Juni 2024
Linksaußen Phil Halbauer aus Pr. Oldendorf schafft gleich in seinem ersten Jahr bei Energie Cottbus das Double. Vor dem Start in die 3. Liga wartet Werder Bremen im DFB-Pokal. Der Kontakt in die Heimat ist dem 25jährigen wichtig.

Bericht im Westfalenblatt vom 24. Juni 2024 von Lars Krückemeyer

PREUßISCH OLDENDORF/COTTBUS. Als der Garten allmählich zu klein wurde, meldete Papa Thomas ihn beim OTSV an. Der weitere Weg über die Jugend von Preußen Espelkamp, die Nachwuchsleistungszentren von Arminia Bielefeld, und Schalke 04 sowie den SV Lippstadt hat Phil Halbauer nun in den Profifußball geführt.

Mit dem Traditionsklub Energie Cottbus gelang dem 25-Jährigen Preußisch Oldendorfer gleich in seiner ersten Saison der Aufstieg in die 3. Liga und der Landespokal-Sieg. „Es war unglaublich, was während und nach unserem letzten Spiel bei Hertha BSC II los war. Da waren 10.000 Fans mitgekommen“, erinnert sich der gebürtige Lübbecker an den entscheidenden 2:0-Sieg, schon ein Unentschieden hätte gereicht. Unvergessen bleibt dem selbsternannten Partykapitän auch die Meisterfeier auf dem Altmarkt: „Das war Gänsehaut-Feeling!“

Phil Halbauer (re.) für Arminia Bielefeld 2014 beim Freeway-Cup

Es war ein steiniger Weg dorthin – für Phil Halbauer und die Mannschaft. „Im ersten Spiel bin ich zur Halbzeit ausgewechselt worden und im zweiten Spiel war ich nicht im Kader. Im dritten war ich wieder in der Startelf und im vierten habe ich eine Torvorlage gegeben. Das hat den Knoten gelöst“, berichtet Halbauer.

Ein Selbstläufer wird die Saison für den früheren Erstligisten keineswegs. „Nicht nur wir wollten aufsteigen, denn diesmal musste der Meister nicht in die Relegation“, erklärt der Linksaußen. Bei Viktoria Berlin geht der Saisonauftakt prompt mit 1:3 verloren, im Heimspiel gegen RW Erfurt reicht es nur zu einem 1:1.

Zum Rückrundenstart trifft der Preußisch Oldendorfer kurz vor der Halbzeit zum 1:2 gegen Viktoria Berlin, am Ende gewinnt Energie noch 4:3. Doch nach dem ernüchternden 0:3 bei Chemie Leipzig Ende März haben die Cottbuser sieben Punkte Rückstand auf den BFC Dynamo Berlin – der Aufstieg ist in weite Ferne gerückt. „Aber dann haben wir gezeigt, wofür dieser Verein steht: Wille, Kampf und eben Energie“, sagt Halbauer.

beim Spiel Energie Cottbus vs. SV Babelsberg

Bezeichnend dafür ist das 4:3 gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig am 27. April. Cottbus verspielt innerhalb von 25 Minuten eine 2:0-Führung. Doch in der 86. und in der dritten Minute der Nachspielzeit dreht Energie das Spiel zum 4:3. Aus den letzten acht Spielen holt die Mannschaft 20 von 24 möglichen Punkten und wird am Ende mit drei Punkten Vorsprung vor dem Greifswalder FC Meister.

Großen Anteil hat Claus-Dieter, genannt „Pele“, Wollitz. Der 58-Jährige aus Brakel trainiert Energie in seiner Karriere schon zum dritten Mal. „In Sachen Einstellung und Motivation hatte ich noch keinen besseren Trainer. Er lebt diesen Verein und findet immer die richtigen Worte an uns. Und dabei steht das Menschliche bei ihm immer ganz oben“, sagt Phil Halbauer über den emotionalen Kulttrainer, der nach der Saison 2024/25 aufhört und Sportdirektor bei Energie wird.

Seit heute ist Halbauer mit Energie in der Vorbereitung, vor dem ersten noch unbekannten Drittligagegner steht der erste Saisonhöhepunkt an. Am 19. August, zwei Tage nach seinem 26. Geburtstag, kommt Werder Bremen zum DFB-Pokalspiel ins Stadion der Freundschaft, das inzwischen offiziell Leag Energie Stadion heißt. „Mit den Fans im Rücken könnte was gehen“, meint Halbauer, der schon in der vergangenen Saison im DFB-Pokal beim Cottbuser 0:7 gegen den Zweitligisten SC Paderborn auf dem Platz stand.

In der 3. Liga warten nun namhafte Herausforderungen auf den Aufsteiger: etwa die Derbys gegen Dynamo Dresden oder die Duelle gegen die Traditionsvereine 1860 München, Alemannia Aachen und RW Essen. Und auf einen Gegner freut sich Phil Halbauer ganz besonders: Bei Arminia Bielefeld spielte er einst in der U16 und U17, zudem wohnt seine Freundin nach wie vor dort. „Für das Spiel werde ich wohl viele Kartenwünsche erhalten“, sagt Halbauer.

Der weitere Weg führte ihn zur U19 von Schalke 04, wo den Preußisch Oldendorfer letztlich ein Kreuzbandriss ausbremste. Der Wechsel zu den Männern des SV Lippstadt in die Regionalliga erwies sich als sinnvoll, Halbauer wurde Stammspieler und absolvierte 64 Spiele.

Der Wechsel nach Cottbus kam über seinen ehemaligen Schalker Mitspieler Jonas Hofmann zustande. „Ich habe mich nach dem Gespräch mit dem Trainer schnell entschieden. Ich fühle mich da sehr wohl“, berichtet der einstige Schüler des Espelkamper Söderblom-Gymnasiums.

Phil Halbauer mit Lothar Holznagel und Enkel Lenni im Stadion der Freundschaft

Den Kontakt zur Heimat hält Phil Halbauer nach wie vor. So bekam er auch mit, dass nicht nur Energie, sondern auch sein Jugendverein OSTV Preußisch Oldendorf aufgestiegen ist. Dort waren einst sein Vater Thomas und Matthias Pospiech seine ersten Trainer. „Die beiden haben viel zu meiner Entwicklung beigetragen“, betont er.

Nicht zuletzt verfolgt auch Lothar Holznagel, ein enger Freund seines Vaters, die Laufbahn des 25-Jährigen von Kindesbeinen an und war auch schon bei Spielen in Cottbus. „Mit Lothar bin ich groß geworden, wir haben viel zusammen erlebt.“ Keine Frage: Die Karriere des Phil Halbauer hat gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen. Und aus der fast 600 Kilometer entfernten Heimat wird man sie in der 3. Liga noch aufmerksamer verfolgen.

Wer den Weg von Phil Halbauer und Energie Cottbus in die 3. Liga nachvollziehen möchte, wird in der ARD-Mediathek fündig. „Unter Strom“ heißt die sehenswerte Dokumentation des RBB über die Aufstiegssaison.